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Religion

Die Religionen prägen das kulturelle und gesellschaftliche Leben Indiens. Der indische Staat ist ein säkularer Staat, das heißt, dass Religionsfreiheit und freie Glaubensverkündung vorherrschen. In der Verfassung wird zwischen zwei Religionsarten unterschieden: zum einen die einheimischen Religionen und zum anderen die Religionen, die von außen gekommen sind. Der Begriff Hinduismus fasst die verschiedenen einheimischen Religionen - hierzu zählen der Buddhismus, der Jainismus, die Religion der Sikhs, der Vishnuismus, der Shivaismus, der Shaktismus und weitere andere - zusammen. Für den Westen ist diese Auslegung des Begriffs Hinduismus sehr ungewohnt. Der Begriff Hinduismus wurde von den Engländern im 19 Jhr. eingeführt, die wie die meisten davon ausgingen, dass es sich um eine einheitliche Religion handele.

Die meisten Inder gehören dem Hinduismus an. So sind etwa 823 Millionen Inder Hindus, 122 Millionen Muslime, 20 Millionen Christen (wovon etwa 13-14 Millionen Katholiken sind) und der Rest sind Anhänger von kleineren Religionen. Nur wenige der etwa 122 Millionen Muslime gehören zur Mittelschicht, die meisten zu armen Bevölkerungsteilen. Mit den knapp 823 Millionen Anhängern ist der Hinduismus somit die prägende Kraft des religiösen und kulturellen Lebens in Indien, wie es in den meisten Ländern nur schwer vorstellbar ist. Als Merkmal des Hinduismus ist das Kastenwesen zu nennen, welches das Leben der Inder von Geburt an bestimmt und ein charakteristisches Ordnungssystem darstellt. Durch die Geburt wird jedem Inder eine bestimmte Kastenzugehörigkeit zugewiesen. Dieses System bestimmt die Lebensbereiche der Heirat, der Berufswahl und der alltäglichen Lebensgewohnheiten wie z.B. die Kleidung, das Essen und Trinken sowie die zwischenmenschlichen Beziehungen. Ursprung dieses Systems ist die von den Ariern vor rund 3000 Jahren entworfene Ständeordnung. Das Kastenwesen hat eine festgelegte Hierarchie, die wie folgt aufgebaut ist: Die Brahmanen (Priester und Gelehrte) stehen an der Spitze der Pyramide, gefolgt von den Kshatriyas (Krieger und Adel), den Vaishyas (Bauern und Händler) und Shudras (Handwerker), unter denen noch die Parias ("Unberührbare") stehen. Jede dieser Kasten ist noch mehrfach in sich untergliedert. Diese Hierarchie bedeutet eine klare und feste soziale Rangordnung innerhalb der Gesellschaft. Zwar wurde es nach der Unabhängigkeit abgeschafft, ist aber jedoch bis heute noch die entscheidende Steuerungsgröße der indischen Gesellschaft geblieben.

Lebensweise

Die Lebensweise der Inder ist sehr stark durch den Lebensstandort geprägt, denn es liegen sehr große kulturelle Unterschiede vor. Das Leben ist an die religiösen Traditionen gebunden, so sind die meisten Inder Vegetarier und dürften auch keinen Alkohol konsumieren. Hauptnahrungsmittel der Inder sind Reis und Curry. Die Dörfer auf dem Land sind zumeist noch nach den verschiedenen Kasten eingeteilt, wobei die Kastenlosen separat leben. Das Dorfbild ist von einstöckigen, fensterlosen Lehmhüten gezeichnet. Durch die ärmlichen Verhältnisse der Inder ist meist nur ein sehr gering bemessenes Mobiliar vorhanden, das Wasser wird meist aus einem gemeinschaftlichen Brunnen geschöpft und durch die rückständige und nur sehr rare Versorgung mit Strom sind die Menschen auf Feuerstellen, die sich meist im Hof befinden, angewiesen. Teilweise liegt immer noch Schuldknechtschaft auf dem Land vor.

In den Städten existiert eine fortgeschrittenere Entwicklung als auf dem Land. Trotzdem gibt es auch in der Stadt große Kluften zwischen Arm und Reich, welche vor allem durch die nah aneinanderliegenden Slumgebiete und Villenviertel deutlich werden. Das Leben in der Stadt wird mit der Entwicklung immer problematischer, da große Massen von Einwohnern hinzuziehen. Die Verstädterung ist anhand der 3 größten Städte (Bombay ca. 14,5 Millionen Einwohner, Kalkutta ca. 12 Millionen Einwohner, Delhi ca. 10 Millionen Einwohner) zu erkennen. Die schlechten Bedingungen für das Leben der Inder sind leicht anhand einiger Daten zu erkennen:

Familienleben und Stellung der Frau

Das Familienleben der Inder ist meist durch arrangierte Ehen bestimmt. Die Ausnahme bilden die Reichen und Gebildeten, bei denen es nicht mehr zu den traditionellen und arrangierten Hochzeiten kommt. In manchen Regionen kommt es auch noch zur Polygamie. Obwohl Männer und Frauen vor dem Gesetz und der Verfassung gleichgestellt sind, gelten die Männer in der Familie als Oberhaupt und die Frauen werden als Besitz der Männer angesehen. Die Familie der Frau hat ebenso eine Mitgift an die Familie des Mannes abzugeben. So kommt es auch in einigen Fällen zu "Mitgiftmorden", das heißt, dass die Männer, denen im Gegensatz zu den Frauen eine Heirat als Witwer erneut erlaubt ist, erneut heiraten. Durch diese Benachteiligung der Frau kommt es dazu, dass die meisten indischen Ehen sehr lange halten, da die Frauen sonst ihr komplettes, wenn auch geringes, Ansehen verlieren. Auf dem Land sind viele Traditionen im Bezug auf die Familie und die Frauenbehandlung noch sehr stark ausgeprägt. So liegt das durchschnittliche Heiratsalter bei Frauen ohne Schuldbildung auf dem Land bei ca. 13,8 Jahren und in der Stadt bei ca. 16,5 Jahren - in den höheren Schichten liegt der Durchschnitt bei ca 20-22 Jahren. Ebenso ist es in sehr religiösen ländlichen Regionen oft Unverheirateten nicht erlaubt, sich zu berühren. Eine weitere Statistik, die hierfür spricht, ist die Geburtenrate: Durchschnittlich liegt diese bei 3,6 Kindern / Frau, nimmt aber bei steigendem Bildungsgrad und Wohlstand ab. Für Frauen ist die Geburt von Söhnen die einzige Chance Wohlstand zu erlangen, denn auf Bildung wird bei Frauen nicht viel Wert gelegt, da diese meist nur für den Haushalt eingesetzt werden. In Städten kommt es oft zur Bildung von Selbsthilfegruppen für arme Frauen - hingegen ist dies auf dem Land unvorstellbar, da die Frauen dort ein viel geringeres Ansehen genießen und im Gegensatz zum Mann kaum Beachtung finden

Geschichte - Schnelldurchlauf


- Ca. 2500 v. Chr. Die erste vorarische Hinduskultur gehört zu einer der ersten Hochkulturen der Menschheit, welche schon in dieser Zeit Handelsbeziehungen bis nach Mesopotamien pflegte. Dies ist durch archäologische Funde belegt.

- Ca. 1500 v. Chr. Erste Angriffe durch arische Nomadenvölker im Nordwesten Indiens

- Ca. 1000 v. Chr. Die Nomadenvölker dringen in das Gebiet des heutigen Delhis vor und können große Teile der Ureinwohner vernichten bzw. unterwerfen.

- Ca. 600 v. Chr. Die Nomadenvölker dringen bis zum Gangesgebiet vor und führen das Dreiklassensystem (Erbadel, Priester, Stammesmitglieder) ein, welches zur Grundlage des indischen Kastensystems wurde. Ebenso entstehen in dieser Zeit die Religionen des Buddhismus, Jinismus und der Bhagavata, deren Verkünder sich gegen die zunehmende Veräußerlichung der hinduistischen Religion und die Entartung der Priesterherrschaft wandten.

- Ca. 320-185 v. Chr. Unter der Maurya-Dynastie entstand im heutigen Gebiet Patna das erste indische Großreich, welches ca. 250 v. Chr. unter König Ashoka seinen Höhepunkt erreichte.

- Ca. 320-467 n. Chr. Aufblühen der indischen Kultur unter der Dynastie der Gupta

- Ca. 8 Jhdt. n. Chr. Eindringen des Islams durch arabische Eroberer

- Ca. 12 Jhdt. n. Chr. Beginn der muslimischen Herrschaft durch ein Sultanat von Delhi - zunächst über Nordindien, dann auch über die anderen Teile Indiens

- Ca. 16-18 Jhdt. n Chr. Herrschaft der muslimischen Mogul-Kaiser

- 1818 n. Chr. Indien wird zur Kolonie Englands.

- 1857-1947 n. Chr. Beendigung der britischen Kolonialzeit angetrieben durch die Unabhängigkeitsbewegung unter Führung von Mahatma Gandhi und unterstützt durch die Meuterei indischer Regimenter

- 15. August 1947 Endgültige Unabhängigkeit Indiens nach knapp 450 Jahren des Kolonialismus

- 26. Januar 1950 Inkrafttreten der neu ausgearbeiteten föderalistischen Verfassung

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